Aktuelles

CfP: 17. Balkanromanistentag
„Friktionen: von produktiven Gewirren und (Auf-)Brüchen in der südosteuropäischen Romania“

3./4. November 2026
Humboldt Universität zu Berlin

Mit dem Begriff der „Friktionen“ knüpfen wir an die Anthropologin Anna Lowenhaupt Tsing an, die damit die produktiven Reibungen bezeichnet, durch die im Kontakt zwischen Menschen, Dingen, Spezies und Praktiken und ihren globalen Verflechtungen Neues entsteht. Friktionen sind nicht nur Ereignisse wie Konflikte oder Blockaden, sondern auch Anlässe für Transformation und Unerwartetes: So können selbst zerstörerische Vorgänge – von Waldbränden bis zur Nuklearkatastrophe – Voraussetzungen für überraschende ökologische und ökonomische Prozesse schaffen, wie Tsings Beispiel nachwachsender, weltweit gehandelter (Matsutake-)Pilze zeigt. Übertragen auf die südosteuropäische Romania verstehen wir Friktionen als Momente, in denen aus Reibungen zwischen Sprachen, Kulturen, Narrativen und sozialen Dynamiken neue Perspektiven, Praktiken und Ordnungen hervorgehen. Diese nachzuzeichnen, ist ein Anliegen der Tagung.

Zugleich soll im Rahmen der Tagung auch der im Verbands- und Tagungsnamen enthaltene Begriff „Balkan“ kritisch in den Blick genommen werden: Ist er heute noch zeitgemäß? Welche produktiven oder problematischen Reibungen entstehen durch seine Verwendung? In den letzten Jahren hat die Debatte im Verband gezeigt, dass der Begriff gleichermaßen Zugehörigkeit wie Ausgrenzung erzeugt – und damit paradigmatisch für Friktionen steht. Darüber hinaus soll in einem größeren Maßstab ausgelotet werden, wie die Balkanromanistik/Rumänistik durch eine solche Debatte über ihre eigenen Begriffe und Konzepte hinaus zur Weiterentwicklung theoretischer Modelle in den Geistes- und Sozialwissenschaften – insbesondere auch in den Philologien – beitragen kann. Ziel ist es nicht, die bekannten Kontroversen um „Balkan“ und „Südosteuropa“ lediglich zu wiederholen, sondern neue begrifflich-konzeptuelle Impulse und Perspektiven zu eröffnen, die aus den spezifischen Erfahrungen der Region heraus generiert werden und international anschlussfähig sind.

Wir laden Beiträge ein, die sich mit solchen Prozessen der Reibung, des Übergangs und der Transformation befassen. Mögliche Themenfelder sind:

  • Sprachliche und kulturelle Kontaktzonen, Interferenzen und Hybriditäten
  • Literarische und künstlerische Inszenierungen von Konflikt, Krise und Neubeginn
  • Narrative von Migration, Transit und globalen Verflechtungen
  • Spannungslinien zwischen Tradition und Moderne, Zentrum und Peripherie
  • Politische und gesellschaftliche Auf- und Umbrüche in der Region
  • „Friktionen“ als Denkfigur für das Lehren und Lernen des Rumänischen
  • Rumänisch außerhalb Rumäniens – als Herkunfts- und als Fremdsprache
  • Sprachliche Hybridität in der rumänischen Diaspora
  • Methodologische Friktionen: neue theoretische Perspektiven in der Balkanromanistik

Der Balkanromanistentag ist zugleich ein offenes Forum. Neben thematisch einschlägigen Beiträgen sind auch Vorschläge willkommen, die allgemeine Aspekte der romanistischen Forschung im Balkanraum betreffen.

Die Tagung findet mit den Kerntagen am 3. und 4. November 2026 an der Humboldt-Universität zu Berlin statt, wo sie mit Unterstützung des Lehrstuhls für Didaktik der romanischen Sprachen und Literaturen (Prof. Reimann) durchgeführt wird.

Abstracts (max. 300 Wörter, mit kurzer biographischer Notiz) senden Sie bitte bis zum 28. Februar 2026 an brt2026-berlin@uni-jena.de

Arbeitssprachen
sind Deutsch und Rumänisch, Französisch und Englisch, auf Anfrage weitere.

Wir freuen uns auf Ihre Beiträge!